AI-Automatisierung kommt – was das wirklich bedeutet, erklärten Brancheninsider auf der Tax Tech Konferenz
Auf der Tax Tech Konferenz in Wien wurde deutlich: Mit AI-gestützter Automatisierung steht die Steuerberatung vor dem nächsten großen Produktivitätsschub. Die entscheidende Neuerung: Es geht nicht mehr nur darum, einzelne Arbeitsschritte schneller zu erledigen. Automatisierung kann ganze Abläufe unterstützen, das reicht von Recherche und Dokumentanalyse bis zur strukturierten Vorbereitung fachlicher Ergebnisse. Lösungen wie Lexis+ mit Protégé™ zeigen exemplarisch, wohin die Entwicklung geht: weg von punktuellen Antworten, hin zu AI-gestützten Workflows, die unter Einbeziehung fundierter Fachliteratur steuerrechtliche Arbeitsschritte verlässlich, nachvollziehbar und wiederholbar abarbeiten.
In der Podiumsdiskussion „Die erfolgreiche Kanzlei 2030: Trends und Herausforderungen“ erörterten die Brancheninsider Philipp Rath (Präsident der KSW – Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen), Christoph Wolf (G & W Steuerberatung), Veronika Seitweger (TPA Austria), Angela Vadori (Senior Associate RSM Austria) und Harald Leitenmueller (Microsoft Österreich GmbH) die Auswirkungen von AI auf die Steuerbranche:
1. Automatisierung schafft Freiraum für Beratung
AI-Assistenz und automatisierte Routinen verändern das Berufsbild. Auch wissensintensive Aufgaben können zunehmend unterstützt oder vorbereitet werden. Dadurch entsteht mehr Raum für Einordnung, Gestaltung, Strategie und persönliche Mandantenbetreuung.
Wie groß das Potenzial ist, zeigt eine deutsche Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit: Demnach können 62 Prozent der Tätigkeiten eines Steuerberaters durch Computer oder computergesteuerte Maschinen ersetzt werden.
2. Geraten Verrechnungsmodelle unter Druck?
Je mehr durch Automatisierung die Arbeitsschritte schneller, konsistenter und wiederholbarer werden, desto mehr steht die Frage im Raum, ob das aktuelle System der Stundenverrechnung/Verrechenbarkeit von Mitarbeitern und die Honorargestaltung zeitgemäß ist. Für Kanzleien bedeutet das: Automatisierung ist nicht nur ein Effizienzthema, sondern auch ein Anlass, Geschäftsmodelle und Preismodelle weiterzuentwickeln.
3. Fachwissen bleibt entscheidend, neue Kompetenzen am Vormarsch
AI ersetzt nicht die fachliche Verantwortung. Im Gegenteil: Je mehr Systeme vorbereiten, analysieren und strukturieren, desto wichtiger wird steuerrechtliche Expertise, um AI-Antworten zu prüfen, hinterfragen, und perfektionieren zu können. Formate, wie das Seminar Oberlaa, die zweimal im Jahr ein kompaktes Update zu aktuellen, steuerlichen Änderungen bieten, sind zentral, um AI inhaltlich kontrollieren zu können.
Mit AI-Agents und automatisierten Workflows werden individuelle Promptingfähigkeiten weniger zentral, es wird einfacher gute Ergebnisse mit AI zu erzielen. Dafür entstehen neue Aufgabenbereiche: Anwenderinnen und Anwender werden zu Führungskräften der AI. Sie delegieren Aufgaben, setzen Prioritäten, prüfen Ergebnisse und tragen Verantwortung für die finale Bewertung. Weiters wird Prozessdenken entscheidend, um die Arbeit der Steuerberatung in strukturierte Abläufe zu übersetzen.
4. Lernen wird zum Wettbewerbsvorteil
Ein Satz aus der Diskussion brachte die Entwicklung auf den Punkt: „Die erfolgreichste Kanzlei 2030 ist nicht die größte, sondern die, die am schnellsten lernt“, so Harald Leitenmüller von Microsoft. Es zeigt sich, dass die AI-Ära kein Sprint, sondern ein Marathon ist, die AI-Technologie und die Anwendungsmöglichkeiten ändern sich laufend. Sowohl Steuerberater:innen als auch AI-Anbieter sind gefordert stets am Ball zu bleiben. Das bedingt stetes Lernen, flexibles Ausloten neuer Möglichkeiten, und zeigt die Wichtigkeit verlässlicher Technologiepartner, auf die man langfristig setzen kann.
Fazit
Die Tax Tech Konferenz zeigte: Automatisierung ist kein Zukunftsthema mehr, sondern der nächste Produktivitätsschub für die Steuerberatung. Sie verändert Routinen und Rollenbilder, bietet schnellere und konsistentere Ergebnisse verlangt aber Anpassungsfähigkeit – genau darin liegt die Chance für die Kanzlei der Zukunft.