Frage: Barbara Ofner, Sie sind Produktmanagerin bei LexisNexis, was ist die „Allgemeine AI“ ihres AI-Assistenten Protégé und wofür brauche ich das als Rechts- oder Steuerprofi?
Barbara Ofner: Stellen Sie sich das wie einen richtig guten Assistenten vor, der Ihnen bei allem hilft, was nicht zwingend klassische Rechtsrecherche ist: Ideen sortieren, erste Entwürfe formulieren, Sachverhalte in Alltagssprache erklären, Argumentationslinien strukturieren. Und das Ganze findet sich neben Ihrer Rechtsrecherche und der rechtlichen Fach-AI innerhalb der Plattform Lexis+ AI, sicher und verschlüsselt.
Frage: Warum nicht die kostenlosen öffentliche Suchagenten nutzen?
Barbara Ofner: Weil „kostenlos“ in der Praxis oft bedeutet: Sie zahlen anders, mit Risiko, mit Unsicherheit, mit zusätzlicher Prüfarbeit. Öffentliche Tools sind eben öffentliche Plattformen. Da muss ich als Jurist:in immer mitdenken: Was gebe ich da gerade preis? Und das ist der Unterschied: Bei Protégé ist die Allgemeine AI bewusst als private und sichere, in Europa gehostete Umgebung angelegt, in der man mit sensiblen Inhalten arbeiten kann.
Frage: Was heißt das hier praktisch?
Barbara Ofner: Praktisch heißt das: Unsere Lösung ist darauf ausgelegt, dass Ihre Prompts nicht für die Weiterentwicklung der Modelle verwendet werden, weder durch LexisNexis noch durch die Modellanbieter. Bei öffentlichen Plattformen steckt der Teufel im Detail, das kann je nach Modell und Lizenz anders aussehen, auch beim Hostingstandort haben Sie oft keine Wahl.
Frage: Und wenn ich doch „richtig juristisch“ arbeiten will?
Barbara Ofner: Ich liebe genau diesen nahtlosen Wechsel, den Protégé bietet: Für freie Recherche und Ideen nutze ich die Allgemeine AI, und wenn es juristisch belastbar werden soll, kann ich mit einem Klick zur Legal AI wechseln und Antworten bekommen, die auf der fundierten Rechtsliteratur von LexisNexis beruhen.
Frage: Was kann die Allgemeine AI?
Barbara Ofner: Es stehen unter anderem verschiedene ChatGPT-Modelle von OpenAI und auch Claude-Modelle von Anthropic zur Verfügung, wir bieten also auch Modelle von verschiedenen Anbietern, wofür man sonst mehrere Zugänge bzw Abonnements bräuchte. Als Modell wird das Kernsystem bezeichnet, das Antworten der AI erzeugt. Manche Modelle sind schnell und gesprächsnah, ideal für alltägliche Aufgaben. Andere haben eine längere Analysephase und sind dafür stärker bei komplexen Problemen. Wir bleiben flexibel und setzen auf jene Modelle, die unseren Kund:innen den größten Nutzen bringen.
Frage: Was sind typische Alltagsszenarien, wo die Allgemeine AI sofort hilft?
Barbara Ofner: Eine E-Mail an Mandant:innen verständlich formulieren, Argumente schärfer, klarer und präziser gestalten oder einen komplizierten Sachverhalt „runterbrechen“. Sie können auch das Web nach Nachrichten, Marktdaten oder Umfeldinformationen zu Ihrem Fall durchsuchen lassen. Die Allgemeine AI ist ideal für Brainstorming, Grundlagenrecherche und Kommunikation. AI ist wie ein sehr schneller Sparringspartner. Sie hilft beim Denken, beim Formulieren, beim Sortieren, aber die Verantwortung bleibt beim Menschen.
Frage: Für Protégé kam zuerst die rechtliche Fach-AI, dann die allgemeine AI, wohin geht der Weg?
Barbara Ofner: Demnächst bietet Protégé Automatisierungs-Funktionen, diese verketten einzelne AI-Tätigkeiten zu einem mehrstufigen, automatisierten Prozess. Im Vergleich zu Einzelprompts mit manueller Weiterverarbeitung spart das enorm viel Zeit: Laden Sie z.B. Kredit-/Finanzierungsverträge hoch, und erhalten Sie eine Tabelle mit den zentralen Vertragsbedingungen.
Ein weiterer Vorteil: Voroptimierte Schritte sorgen für wiederholbare, konsistente und hochwertige Ergebnisse für alle, unabhängig von Erfahrung mit AI.
Neben vielen vorkonfigurierten Automatisierungen wird man zukünftig auch eigene Abläufe ohne Programmierkenntnisse selbst erstellen können. Damit können z.B. eigene Vertragsmuster genutzt werden oder institutionelles Wissen bzw. Der Erfahrungsschatz von Kanzleien in wiederholbare Prozesse überführt werden.
Wir wollen Jurist:innen und Steuerberater:innen den Alltag erleichtern und die Rechtsbranche zu einem Digitalisierungsgewinner machen. Und ich gebe zu: Ich freue mich jedes Mal, wenn Kund:innen eine Idee haben, wo sie unsere Tools noch überall einsetzen können. Und gerade die selbsterstellbaren Abläufe haben da ein großes Potenzial!