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Österreichs Top-Juristinnen sehen Handlungsbedarf bei Gleichstellung

Von lexisnexis / 14.09.2020

LexisNexis und Women in Law luden Österreichs Top-Juristinnen zur Diskussion mit Alpbach-Bezug. Thema: Wie erreicht man endlich eine Gleichstellung von Frauen und Männern?

Ein Fundament unserer Gesellschaft ist die Gleichberechtigung – in Österreich sind Frauen und Männer zumindest gemäß der Verfassung gleichgestellt. Dass dies in der Realität des Alltags leider noch anders aussieht, ist weithin bekannt. Ganz im Sinne der Rechtsgespräche des diesjährigen „European Forum Alpbach“ holten LexisNexis und Women in Law am Freitag, den 11. September im Restaurant Meissl & Schadn führende Juristinnen aus allen zentralen Verwaltungs- und Wirtschaftsbereichen an einen Tisch, um die „Pain Points“ auf dem Weg zur Gleichstellung zu diskutieren. Das Ergebnis war, dass in vielen Bereichen Handlungsbedarf gegeben ist.

Dr. Birgit Eigelsreiter, MA, MA, Leiterin der Rechtsabteilung bei Windkraft Simonsfeld und Expertin für gesetzliche Anreize, die Frauen im Bereich des Vergabewesens fördern: „Dass soziale Kriterien in der Vergabe öffentlicher Aufträge Anwendung finden können, ist bei Weitem kein Novum mehr. Die Zulässigkeit von Gleichstellungskriterien ebensowenig. Warum wird dieses Vergabeinstrument jedoch kaum genutzt? Sicherlich hat die Einforderung sozialer Kriterien und die Politisierung des Beschaffungswesens Grenzen. Doch warum nicht diese erörtern und die Möglichkeiten aufzeigen anstatt sie ignorieren oder gar negieren? Das Regierungsprogramm 2020-2024 sieht die Formulierung und verbindliche Integration ökosozialer Kriterien in der Bundesbeschaffung vor. Nutzen wir diese Chance!

Mag. Judith Feldner (Eisenberger & Herzog) und Dr. Elke Napokoj (bpv Hügel), beide Rechtsanwältinnen und Partnerinnen renommierter Kanzleien, über Karrierewege in Anwaltskanzleien und Frauenquoten. Feldner: „Frauenförderung in Unternehmen fängt nicht bei der Quote an, sondern beim Mindset“ und „Es ist nicht mehr State of the Art, einen Aufsichtsrat ausschließlich männlich zu besetzen. Es ist erfreulich, dass in den letzten Jahren durchwegs gut ausgebildete, erfolgreiche Frauen aus verschiedensten Bereichen in die österreichischen Aufsichtsräte gekommen sind und keine „Alibis“. Trotzdem besteht noch ein Nachholbedarf“ so Napokoj. „Wir müssen uns stark sehen“, ergänzte Univ.-Prof. Dr. Astrid Deixler-Hübner, Expertin im Zivilverfahrens- und Familienrecht und Autorin von Standardwerken zum Familienrecht. Und Mag. Marie Ringler, MBA, Europachefin von Ashoka, nominiert für eine Vizepräsidentin des Vorstandes beim Forum Alpbach, fügte hinzu: „Wir haben als Frauen in Führungspositionen eine Verantwortung

Mag. Susanne Mortimore, Geschäftsführerin von LexisNexis Österreich: „Für mich ist ein Kernpunkt, dass es einem als Frau selten „einfach so“ passiert an die Spitze zu kommen. Als Frau muss man sehr bewusst die Entscheidung für eine Karriere treffen und sich überlegen, wie man sein Leben danach arrangiert. Mir war immer beides wichtig: ich habe mich sowohl für Karriere, wie auch für Kinder entschieden

Abschließend Eigelsreiter: „Corona war/ist der bislang größte Praxistest zur Tauglichkeit von flexiblen Arbeitsmodellen, Teleworking, der Nutzung neuer Medien oÄ – allesamt gleichzeitig auch Gleichstellungsinstrumente. Gezeigt und empirisch bestätigt hat dieser Test, was bislang als Ausrede gegen die Ausrollung derartiger Modelle diente: Die Frage, ob man seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch vertrauen kann, wenn diese eigenständig(er) agieren. Nun, wo wir wissen, dass es funktioniert, sollten wir diese Gleichstellungsinstrumente endlich in dem Rahmen zulassen und nutzen, wie dies schon längst notwendig wäre.